Explosion! Das Museum für Marinewaffen
Willkommen bei
Explosion!, dem aufregenden Museum, das die Geschichte der Marine, vom
Schiesspulver bis heute, sowie die faszinierenden Lebensgeschichten der
Arbeiter dieses Ortes, mit besonderer Beachtung der Rolle der Frauen in der
Munitionsherstellung, während und zwischen des Ersten und Zweiten Weltkrieges
erzählt.
Das Museum
befindet sich in einem ehemaligen Rüstungsdepot in Priddy’s Hard in Gosport, am
westlichen Ufer des Portsmouth Hafens.
Das Augenmerk der
Ausstellung liegt bei der “Priddy’s Hard Story”, einer spektakulären
audio-visuellen Show, die im original Schiesspulver- Magazin, beginnend um
1770, präsentiert wird.
Die Anfänge
Wie das
Schiesspulver nach Gosport kam
Bis Mitte des
18.Jahrhunderts lagerte die Royal Navy ihr Schiesspulver in Portsmouth im
Square Tower. Die Menschen, die in dessen Nähe wohnten, wollten, dass das
Schiesspulver von ihren Häusern und Familien weggebracht wird. Sie baten den
Bürgermeister von Portsmouth, es entfernen zu lassen. Er wiederum hatte Koenig
George XI. um Erlaubnis zu fragen. Schließlich wurde die Erlaubnis, das
Schiesspulverlager aus Portsmouth zu entfernen, erteilt.
Im frühen 18.
Jahrhundert kämpfte England gegen Frankreich- zu Land und zu Wasser. Eine
französische Invasion bedrohte England und der Munitionsaufsichtsrat (jetzt
Verteidigungsministerium), zuständig für Forts und Rüstung, verstärkte die
Verteidigung an den wichtigsten Marinehäfen.
Gosport hatte
seine Verteidigung und es wurde
beschlossen, diese noch um den ganzen Portsmouth Hafen auszuweiten. 1758
kauften Thomas Missing, der Pfarrer von Fareham, und Miss Jane Priddy, eine
lokale Landeigentümerin, Land in Priddy’s Hard. Bis 1764 wurden 600 Meter
verstärkter Schutzwall gebaut. Innerhalb dieses Walls wurde eine kleine
Garnison angesiedelt.
Ungefähr zur
selben Zeit wuchs die Sorge um die Sicherheit des Schiesspulvers, das im Square
Tower in Old Portsmouth gelagert wurde. Der Munitionsaufsichtsrat zog
alternative Plätze um den Hafen in Betracht.
Priddy’s Hard war
passend, weil es sicher war, nahe zur Werft und recht abgelegen von der
Bevölkerung Gosports. Das Schiesspulver-Magazin wurde 1770 fertig gestellt. Ein
kleiner Hafen, bekannt als “die Wölbung”, wurde errichtet. 1777, als die
Gebäude ausgetrocknet waren, wurde das Pulver zum ersten Mal in Priddy’s Hard
gelagert.
Mehr als 100 Jahre
lagerte und lieferte Priddy’s Hard Schiesspulver an die Royal Navy. Das Pulver
kam von Essex und Kent, wurde um die Küste geschifft und in der Wölbung zur
Lagerung im Schiesspulver-Magazin in Priddy’s Hard abgeladen.
Arbeiten in Priddy’s Hard
Da Schiesspulver
riskant war, mussten die Arbeiter in Priddy’s Hard spezielle Kleidung und
Schuhe in den Bereichen tragen, wo Sprengstoff vorbereitet wurde. Während des
18. und 19. Jahrhunderts wurden Magazin-Lederschuhe getragen, um zufälligen
Funken vorzubeugen. Aber die Sohlen waren schnell durchgelaufen und mussten
ständig erneuert oder geflickt werden. Ein Schuster wurde vor Ort benötigt.
Bis Mitte des
19.Jahrhunderts und nach dem Zweiten Weltkrieg mussten die Arbeiter ihre
Alltagskleidung in speziellen Umkleideräumen in Magazin- oder Laboruniformen
wechseln. Diese Magazin-Kleidung wurde aus grobem Wollstoff hergestellt und
galt als “nicht verunreinigt”, also sauber für die Arbeit mit Sprengstoff.
Weibliche
Munitionsarbeiter wurden zum ersten Mal während des Ersten Weltkrieges
beschäftigt. Einige der Ladys spielten Fußball. 1917 bestand das ganze Gosport
Frauenfußball-Team aus Arbeiterinnen der Laborabteilung von Priddy’s Hard.
Während des
Zweiten Weltkrieges wurden wieder eine große Anzahl Arbeiterinnen in Priddy’s
Hard beschäftigt- bis zu 4000 Beschäftigte auf dem Höhepunkt des Krieges.
Explosion!
Das Museum wurde
im März 2001, und im April vom Herzog von York, eröffnet und hat sich als
ganzjährlich beliebtes Ziel für Besucher etabliert. Viele unserer Besucher
haben in der Vergangenheit hier gearbeitet und haben uns interessante
Geschichten zu erzählen. Andere Besucher, jung und alt, haben entweder eine
Tour durch das Museum genossen oder eine unserer Veranstaltungen besucht.
Das große Magazin
Kapitän Archer von
den königlichen Ingenieuren designte das Pulvermagazin. Es war das erste
Gebäude, das in Priddy’s Hard errichtet wurde, das Pulver in Fässern
aufbewahrte. Seine Wände sind 2,5 Meter dick und eine erhebliche Menge Kreide
füllt den Raum unter dem Dach. Das hatte zwei Gründe- einer möglichen Explosion
vorzubeugen und den Inhalt des Gebäudes vor Attacken zu schützen. Nach der
Fertigstellung brauchte das Magazin 3 Jahre um auszutrocknen, bevor das
Schießpulver dort gelagert werden konnte. 1777 wurde schließlich Leutnant
Oberst William Bache erster Lagerhalter des Priddy’s Hard Magazin Depots.
Der Rollweg
Bis zum Beginn des
19. Jahrhunderts zog sich ein spezieller Fußweg- der „Rollweg“ entlang der
Küste bis zum Hafen. Seine Bestimmung war es, das Pulver-Magazin mit der
Wölbung zu verbinden. Es sollte erlauben, Pulverfässer auf speziellen Karren zu
den „Pulver- Schiffen“ (kleine Segelboote) zu schieben, welche das Pulver zu
den Schiffen transportierten. Es war notwendig, gegilbtes Leder auf dem Boden
auszulegen, um Vibrationen abzufedern und Pulver, welches möglicherweise
verschüttet wurde, aufzufangen.
Die Wölbung
Die Wölbung war
eine Verbindung zwischen Priddy’s Hard und den Marineschiffen für mehr als ein
Jahrhundert. Ursprünglich wurde ein Kanal in den Hard (ein flacher
Küstenabschnitt) gegraben, um Schießpulverfässer in die Segelboote laden zu
können. Leider verschlammte der Kanal und musste ständig ausgebaggert werden.
Deshalb wurden zwei Arme gebaut, um den Kanal abzudichten. Dabei erhielt man
eine Wölbung, die das Verschlammungsproblem lösen sollte. Aber dadurch hatte
der Kanal nur noch zur Flut einen praktischen Nutzen. Die andauernde
Entwicklung der Wölbung war kostspielig, so dass später Piere weiter raus in
den Hafen gebaut wurden, um frühzeitigen finanziellen und praktischen
Schwierigkeiten vorzubeugen.
Das Zeitalter des Kampfsegels
1800 war
Großbritannien wieder einmal im Krieg mit Frankreich und die Schiffe von
Portsmouth brauchten Schießpulver. Priddy’s Hard geriet unter immensen Druck
alle Schiffe zu beliefern, da jedes Schiff Pulver für alle sich an Bord
befindlichen Kanonen und kleineren Geschütze benötigte. Die Fässer wurden von
Fassbauern in ihren Werkstätten in Priddy’s Hard neben dem großen Magazin
gefertigt. Der erste Fassbauer war Isaac Whiston. Er verdiente 3 Schillinge (15
Pennys) pro Tag. Das war ein guter Verdienst zu dieser Zeit.
Die Designer Galerie
Die Entwicklung der industriellen Technologie und das Wachstum des British Empire im späten 19.Jahrhundert waren Treibstoff für die Weiterentwicklung in Design und Produktion von kleinen Waffen. Zuvor vertraute man in der Kriegsführung auf Vorderlader-Großgeschütze oder Kanonen. Priddy’s Hard handelte hauptsächlich mit großkalibrigen Waffen. Die Leistungsfähigkeit kleinerer Waffen hatte eine sehr bedeutende Wirkung auf die Zukunft der Produktion in Priddy’s Hard. Neue Entwicklungen waren das Abfeuern von Perkussionswaffen anstatt wie bisher von Waffen mit Steinschlössern und die Nutzung von Patronen anstatt von losem oder gebauschtem Pulver. Dieser Fortschritt machte das Abfeuern schneller und zuverlässiger. Die Rifflung, eine spiralförmige Rille im Inneren eines Waffenlaufs wurde entwickelt, nachdem bewiesen wurde, dass eine schnell drehende Kugel schneller fliegt und zielsicherer ist. Diese Erfindung, kombiniert mit verbessertem Schießpulver und Nachladeeinrichtungen, vergrößerte die Bandbreite von klein- und großkalibrigen Waffen.
Moderne Sprengstoffe
Schießpulver war
bis in die 1870iger der meistbenutzte Sprengstoff. Von da an wurde
Waffenbaumwolle in Mienen und Torpedos benutzt bis bekannt wurde, dass seine
Explosionskapazität unterdrückt wird, wenn es nass wird.
Kordit wurde 1893
eingeführt und ersetzte damit das Schießpulver als Treibstoff.
Daraus
resultierend musste Priddy’s Hard hinter den Verteidigungswallen vergrößert
werden. Es wurden vier neue Magazine gebaut, um den neuen Sprengstoff zu
lagern. Platz zum Lagern wurde rar und die alten Magazine mussten genutzt
werden.
Als kurz danach
bahnbrechende, neue, hochexplosive Sprengstoffe eingeführt wurden, wurde
dringend Lagerraum benötigt, so dass neue Gebäude errichtet wurden, um diese zu
lagern.
Es war unerlässlich, dass der sich schnell verflüchtende Sprengstoff, der in Priddy’s Hard produziert wurde, sicher war. Das wurde erreicht, indem man 10% der Produktion explodieren lies.
Zünder,
Sprengkapseln, Zuendkapseln und Anzuender wurden
zum Testlabor gebracht, um sie zu testen. Daraus resultierend gingen die
Arbeiter in diesem Teil des Depots oft taub in Rente.
Schießpulver wurde
immer in Fässern gelagert, die aber durch Holzkisten ersetzt wurden. Sie wurden
von erfahrenen Zimmermännern gefertigt, die unkaputtbare Container
produzierten, bis in den 1940’s Metall das Standardmaterial wurde.
Im 20.Jahrhundert
war Priddy’s Hard ein belebtes Marine-Munitions-Depot, wo Manufaktur, Tests und
Inspektionen durchgeführt wurden. Der Transport wurde durch interne Gleise
sichergestellt. Außerhalb wurde das Pulver von den „Pulver -Hoys“ in die C18,
so dass die Rüstungsschiffe die Munition zwischen den Kriegsschiffen und
anderen Orten um den Portsmouth Hafen transportieren konnten.
Mienen
Eine Miene folgt
keiner Flugbahn durch die Luft oder im Wasser. Sie ist eine statische Waffe,
die auf ihr vorbeikommendes Opfer wartet.
Bodenmiene liegen auf dem Meeresgrund.
Klettmienen sind
an ihren Zielen befestigt.
Mienen mit
„Hörnern“ warten auf den Kontakt mit einem Schiff.
Verschiedene
Mienen detonieren aus verschiedenen Gründen- Kontakt, Timer, Sensor.
Mienen im Meer
werden von Schiffen, Tauchern oder von der Luft aus gelegt.
Großgeschütze
Wenn ein Schiff in
den Hafen kam, war es in der Verantwortung des Munitionsdepots (Priddy’s Hard),
Granaten und Patronen zu entfernen, zu überprüfen und zu reparieren. Die Waffen
kamen auch hierher und jede einzelne musste regelmäßig mit großer Präzision
überprüft werden.
Sie wurden dann
klassifiziert als einsetzbar, reparaturbedürftig oder als Abfall. Eine Waffe
wurde während ihres Lebens möglicherweise auf mehr als ein Schiff verladen.
Das Abfeuern einer
Waffe auf See bedarf Erfahrung, Disziplin und Teamarbeit, da drei Teams einer
Crew darin verwickelt sind- das Turm –Team im Turm auf Deck, das Granatenraum
–Team, das die Granaten übergab und das Magazin –Team zum Laden der Munition.
Ein Schiff ändert
im Gefecht ständig seine Geschwindigkeit und Richtung ohne Ankündigung. Seine
Geschuetze rotieren, wenn es anvisiert wird.
U-Boot Alarm
Ein „Squid“ ist
ein Anti-U-Boot Granatwerfer aus den 1960’s.
Torpedos
Torpedos haben
ihren Namen vom Torpedofisch, einem Fisch, der seine Beute durch einen
elektrischen Schock betäubt. Die ersten Torpedos wurden aus Lindenholz
gefertigt, die mit einem hölzernen Kern, gefüllt mit Sprengstoff ohne eigenen
Antrieb, gefüttert waren. 1866 wurde von einem englischen Ingenieur namens
Robert Whitehead in Triest der erste selbstangetriebene Torpedo entwickelt.
Aber es war erst 1872, als zwei entgegengesetzt rotierende Propeller
hinzugefügt wurden, womit das Problem, dass die Torpedos „rollten“ während sie
sich durch Wasser bewegten, gelöst war. Bis 1880 erlaubte es die Erfindung des
Abschussrohres, dass der Torpedo über wie auch unter Wasser angeschossen werden
konnte.
Erst in den
letzten 60 Jahren, seit dem Zweiten Weltkrieg, haben sich Torpedos bedeutend
geändert und technologische Vorschritte haben ihre effektive Schussweite
erhöht.
Moderne Geschoße
Die Kriegsführung
hat sich seit der Explosion der Atombombe in Hiroshima 1945 für immer verändert.
Die Zerstörung, die diese doch recht kleine Waffe angerichtet hatte,
schockierte die Welt, als man realisierte, welche Auswirkung nukleare Waffen
auf die Menschheit haben.
Seit den 1960’s
ersetzten ferngesteuerte Raketen große Geschoße als Royal Navy’s meistgenutzte
Waffen.
Als die
Verteidigungs- und Attackierfähigkeit der Kriegsschiffe während des 20.
Jahrhunderts wuchs, der Bedarf sich änderte bzw. weiterentwickelte, die
Nachfrage nach Marinewaffen nachließ und Sprengstoffgesetze verschärft wurden,
wurde Priddy’s Hard unökonomisch und der Ort zu klein für notwendige
Vergrößerungen. Schließlich wurde Priddy’s Hard während des Falkland Krieges
1982 wieder aktiv, um die Royal Navy mit Waffen zu versorgen. Der letzte Zug
verließ 1986 das Depot und die Tore wurden 1989 zum letzten Mal geschlossen.
Der Ort blieb für
einige Jahre Eigentum des Verteidigungsministeriums und wurde später von
der Gosport Verwaltung gekauft.
Die Tore schlossen
sich 1989 zum letzten Mal.
Explosion! Das
Museum für Marinewaffen öffnete am 24.März 2001.